In Vorbereitung des geplanten KammhausSeminars Kalk(ge)wand sprach Katharina Rühling (Kommunikationsteam, Denkmalnetz Sachsen) mit dem Dozenten des Seminars Ronny Brühl (staatlich geprüfter Bautechniker und geprüfter Restaurator im Maurerhandwerk) über seine Arbeit, seine Erfahrungswerte und Zukunftspläne sowie über die Besonderheit des Baustoffes Kalk und die Pläne für das anstehende KammhausSeminar Kalk(ge)wand im August und September 2026.
Im Gespräch mit Ronny Brühl
Ronny Brühl, Sie sind geprüfter Restaurator im Maurerhandwerk. Was hat Sie in ihrer Laufbahn zur Spezialisierung als Restaurator in Ihrem Gewerk angetrieben? Wie sind Sie bei der Arbeit mit dem Baustoff Kalk gelandet?
Seit ich meine Lehrzeit abgeschlossen habe, arbeitete ich bevorzugt an Bestandsgebäuden und war immer wieder fasziniert von der Bauweise, den eingesetzten Materialien – die ich damals noch nicht so wie heute verstanden habe – und den vielen Details mit denen, auch im ganz einfachen Maßstab ein schönes Wohnambiente geschaffen wurde.
Später, als ich meine eigene Firma gegründet habe und mich somit um die Aufgabenstellung und die Lösung der an mein Unternehmen herangetragene Wünsche selbst kümmern musste, merkte ich, dass gerade im Denkmalbereich mein Fachwissen oft nicht ausreichte und bedauerte, dass ich diese Aufträge daher nicht annehmen konnte. Das war für mich der Auslöser, mich genau für diesen Bereich weiterzubilden und die Spezialisierung zum Restaurator im Maurerhandwerk anzugehen.
Als ich dann den Kurs zum Restaurator durchlief – der übrigens seit Kurzem wieder durch die Handwerkskammern in Sachsen angeboten wird – lernte ich alte Techniken und Materialien kennen und schätzen, unter anderem auch den Kalk als universelles Bindemittel für Mörtel, Putze und Farben.
Was ist am Baustoff Kalk besonders faszinierend? Was zeichnet ihn aus und was macht ihn besonders in der Verarbeitung?
Die Nutzbarmachung und Verarbeitung von Kalkmörteln haben eine jahrhundertelange Tradition. Auch heute noch kann man mit diesem Baustoff komplexe Bauaufgaben, mit einfachsten Mitteln erfüllen. Gerade im Denkmalbereich sollte sich nie die Frage nach neuen Baustoffen stellen, da die Langzeitwirkungen zwischen alt und neu nicht abzusehen sind.
Die Faszination von Kalk liegt nicht nur in seiner Bandbreite, die man beliebig ausweiten kann, je nachdem in welchem Zustand er verarbeitet wird: als Stein, als ungelöschtes hoch reaktives Bindemittel oder im gelöschten Zustand, sondern auch in den baubiologischen und bauphysikalischen Vorteilen. Dazu mehr im Seminar!
Um nur zwei weitere faszinierende Eigenschaften zu nennen: Zum einen zeichnet sich Kalk durch eine fast unbegrenzte Lagerfähigkeit aus. Man denke im Vergleich nur mal an Zement, der sehr schnell im Sack hart und unbrauchbar wird und dann entsorgt werden muss. Und zweitens ist auch die Flexibilität des mit Kalk hergestellten Mörtels wirklich faszinierend. Bester Beweis dafür ist zum Beispiel die Kuppel der Hagia Sophia, die sonst schon längst bei einem in dieser Region häufig auftretenden Erdbeben in sich zusammengestürzt wäre. Dank des Kalkmörtels und seiner Eigenschaften besteht sie weiter. Auch die noch vorhandenen hellenistischen oder römischen Bauten wären ansonsten nicht mehr für die nachfolgenden Generationen erlebbar…
Ronny Brühl, Sie übernehmen als Dozent auch die Leitung des kommenden Seminars am Kammhaus zum Thema Kalk im August und September. Was macht dieses besonders spannend?
Mein eintägiges Praxisseminar "Kalke & Herstellung historischer Mörtel" in Zusammenarbeit mit dem Denkmalnetz Sachsen ist bei den Teilnehmenden auf sehr viel Interesse gestoßen und hat sehr viel positive Resonanz bekommen. Deshalb reifte in Kooperation mit dem Denkmalnetz Sachsen und Robin Lindner der Plan die Erfahrung mit Kalk noch intensiver weiterzugeben und richtig in die Tiefe zu gehen. Daraus entwickelte sich dann die Idee einer jeweils einwöchigen Bauschule zu zwei Terminen.
Im Gegensatz zum Praxisseminar, welches ja doch eher theorielastig angelegt war, wird hier an einem bestehenden Gebäude noch mehr in die Tiefe gegangen. Das heißt von der Vorbereitung der Mörtel mit den entsprechenden Zuschlägen und Zusätzen, über die Vorarbeiten an den Wandflächen, das Aufbringen des selbst hergestellten Mörtels bis zur Schlussbeschichtung mit Kalkfarbe in der Fresko- und Secco-Technik wird alles fachlich begleitet und auch praktisch ausgeführt.
Natürlich hoffe ich persönlich nach Abschluss des Tagewerkes auf interessante Gespräche und viele Fragen und neue Anregungen.
Für wen empfiehlt sich die Teilnahme am Seminar Kalk(ge)wand?
Diese Bauschule richtet sich nicht nur an Handwerker:innen, sondern auch und im Besonderen an interessierte Denkmaleigentümer:innen – mit und ohne Vorkenntnisse – und an Studierende der Fachrichtung Architektur und Bauingenieurwesen.
Bei diesem weiten Kreis der Teilnehmer:innen wird meines Erachtens ein sehr konstruktiver fachlicher Austausch stattfinden. Ich freue mich darauf!
Haben Sie Empfehlungen zur Arbeit mit Kalk, die Sie Denkmaleigentümer:innen und -engagierten – mit und ohne Vorkenntnisse – mit auf den Weg geben möchten?
Zuvorderst braucht es Vertrauen in diesen Baustoff. Da dieser nicht wie die in Baustofflaboren entwickelten und eine einfache Verarbeitung suggerierenden Mörtel einer Normung unterliegt. Dazu möchte ich betonen: wenn etwas mit einem Kalkmörtel nicht korrekt ausgeführt wird, werden darauffolgende Schäden sofort sichtbar und können dadurch schnell und kostengünstig beseitigt werden. Dies ist bei industriellen Mörteln hingegen eher selten, stattdessen entstehen Langzeitschäden die, wenn sie sichtbar werden, meist sehr aufwendig repariert werden müssen.
Zum zweiten sollten sich auch Laien bei gut ausgebildeten Fachleuten Rat holen, welcher Mörtel wann effektiv einzusetzen ist. Leider ist der Baustoffmarkt auch im Bereich der Kalkmörtel sehr unübersichtlich, selbst für Fachhandwerker:innen. So kann ein Mörtel mit nur 2 Prozent Kalkanteil schon als Kalkmörtel verkauft werden, oder „reine“ Kalkmörtel haben Beimengungen von Zement bis zu 10 Prozent am besten noch durch Weißzement, die nicht ausgewiesen sein müssen. Dass sich durch diese Beimengungen die Eigenschaften deutlich verändern, sollte eigentlich klar sein. Es lohnt sich also die Beratung durch einen Profi.
Was sind Ihre weiteren Pläne für die Zukunft?
Mein Wunsch ist es, die traditionellen Techniken und Materialien wieder ins Bewusstsein zu rücken. Deswegen habe ich sofort zugesagt, als die Handwerkskammer Leipzig anfragte, ob ich mir vorstellen kann, als Dozent bei der Fortbildung "Master Professional für Restaurierung im Handwerk" mit mehreren anderen Restauratoren kommende Generationen von Restauratoren auszubilden.
Aber auch Einzelkurse und Kurzseminare zu entwickeln ist vorgesehen.
Wir freuen uns darauf.
Herzlichen Dank für das Gespräch, Ronny Brühl!
Weiterlesen:
- 4. KammhausSeminar Kalk(ge)wand: 24. bis 28. August
- 4. KammhausSeminar Kalk(ge)wand: 14 bis 18. September
- Nachbericht: Seminar Grundwissen Kalke und Herstellung Historischer Mörtel
- Masterkurs: Restaurator im Handwerk
Fotos:
Titelbild: Deutsches Archäologisches Institut_Orientabteilung_Aussenstelle Damaskus_Fotografin_DAI_OA Olga Zenker
Beitrag: DNS, Nora Ruland & DNS, Sara Lamowski