Ein Beitrag von Andreas Krause
Bei der Exkursion am 25. April 2026 wurde ein über 400-jähriges Kapitel der sächsischen Industriegeschichte für die über 40 Teilnehmer:innen sichtbar. Das Blaufarbenwesen hatte besonders im 17. und 18. Jahrhundert eine herausragende Bedeutung für die sächsische Wirtschaft. Im Blaufarbenwerk Niederpfannenstiel (heute Nickelhütte Aue) erlebten die Teilnehmer:innen unter Führung von Dr. Mike Haustein die Grundlagen des Blaufarbenwesens. An diesem Standort ist ein neogotisches Hüttengebäude erhalten, in dem der Förderverein Schindlers Blaufarbenwerk e.V. eine umfangreiche Sammlung zur Geschichte und den Produkten der Werke betreut.
Der zweite Exkursionspunkt war das zum UNESCO-Weltkulturerbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří gehörende Blaufarbenwerk Schindlerswerk bei Zschorlau. Das seit 1650 produzierende Werk ist die älteste produzierende Farbmühle der Welt und das am besten erhaltene Hüttenwerk des Erzgebirges. Die abgeschiedene Lage des umfangreichen Gebäudeensembles stellt eine große Herausforderung beim Erhalt der Bausubstanz für den Eigentümer dar, der vom Blaufarbenwerksverein unterstützt wird.
Am Nachmittag besuchten wir die Fundgrube Wolfgang Maaßen in Schneeberg-Neustädtel. Der Bergbauverein Schneeberg e.V. hat das dem Verfall preisgegebene, Anfang des 19. Jahrhunderts erbaute Pochwerkshaus erworben und saniert. Der Verein um Volkmar Müller arbeitet zurzeit an der Rekonstruktion der Pochstempel und der Stoßherde. Auf einzigartige Weise können hier die Besucher:innen historische und moderne Aufbereitungstechnologien praktisch und im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal im Erzgebirge. Auch die untertägige Radstube konnte besichtigt werden.
Die Exkursion bot den Teilnehmenden einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte, Technik und Denkmalpflege des sächsischen Blaufarbenwesens. Gleichzeitig wurde deutlich, welche Herausforderungen mit dem Erhalt dieser einzigartigen montanhistorischen Zeugnisse verbunden sind und mit welchem Engagement Vereine und Eigentümer:innen zu ihrem Fortbestand beitragen.
Fotos: DNS, Andreas Krause