Denkmalnetz Sachsen: Frau Dr. Berg, Sie haben die Initiative Denkmalnetz Sachsen in der Förderperiode 2022–2025 evaluiert. Worum ging es dabei im Kern?
Dr. Andrea Berg: Die Evaluation hatte zwei zentrale Ziele. Zum einen ging es rückblickend und summativ um die Frage, wie wirksam die bisherigen Aktivitäten waren, insbesondere für Kommunen, Denkmaleigentümer:innen und zivilgesellschaftliche Initiativen. Zum anderen sollten Potenziale für die Weiterentwicklung identifiziert werden – etwa in den Bereichen Wirtschaft, Regionalentwicklung und bei der strukturellen Unterstützung der Zielgruppen.
Denkmalnetz Sachsen: Wie sind Sie methodisch vorgegangen?
Dr. Andrea Berg: Die Evaluation fand zwischen Juni und November 2025 statt und orientierte sich an zentralen Kriterien der Evaluationsforschung – etwa daran, wie relevant und wirksam die Initiative ist, wie effizient sie arbeitet und welche nachhaltigen Effekte sie erzielt. Wir haben 33 leitfadengestützte Interviews geführt – mit Mitarbeitenden des Denkmalnetz Sachsen, Denkmaleigentümer:innen, Vertreter:innen von Gemeinden, Behörden, Netzwerkpartner:innen sowie den beiden Projektträgern.
Ich habe außerdem an einem „Labortag“ teilgenommen, um ein zentrales Veranstaltungsformat direkt zu beobachten. Zusätzlich wurden Projektdokumente, Social-Media-Aktivitäten sowie Datenbankauswertungen in die Analyse einbezogen.
Denkmalnetz Sachsen: Was waren nun Ihre Ergebnisse: Beginnen wir mit der Relevanz – konnten Sie ausmachen, wie gut das Denkmalnetz Sachsen mit seinen Angeboten ankommt?
Dr. Andrea Berg: Die Relevanz ist sehr hoch. Das Denkmalnetz Sachsen wird von Denkmaleigentümer:innen, Gemeinden und ehrenamtlichen Initiativen als bislang fehlende Anlaufstelle wahrgenommen. Es schließt eine Lücke zwischen Behörden, Zivilgesellschaft und Eigentümer:innen. Besonders im ländlichen Raum leistet es wichtige Sensibilisierungs- und Vermittlungsarbeit.
Bemerkenswert ist auch, dass anfängliche Skepsis – insbesondere seitens einiger Behörden – im Projektverlauf einer anerkennenden Zusammenarbeit gewichen ist. Für die kommende Zeit wird es entscheidend sein, diese hohe Relevanz durch klare Priorisierung und Fokussierung zu sichern.
Denkmalnetz Sachsen: Bei neuen Initiativen stellt sich ja häufig die Frage, ob diese parallel zu anderen Organisationen arbeitet oder in bestehende Strukturen eingebunden werden kann?
Dr. Andrea Berg: Extern ist die Kohärenz sehr hoch. Das Denkmalnetz Sachsen wird als verbindende Schnittstelle wahrgenommen, als eine Art moderierender „Kitt“ zwischen Behörden, Eigentümer:innen und Zivilgesellschaft. Darin liegt seine hohe Anschlussfähigkeit.
Denkmalnetz Sachsen: Vor dem Start des Denkmalnetzes Sachsen gab es eine konzeptionelle Phase, um den Rahmen abzustecken und Ziele zu formulieren. Was sagen Sie, wurden die gesetzten Ziele erreicht?
Dr. Andrea Berg: Ich konnte sicherlich nicht alle Einzelziele betrachten, aber insgesamt kann ich Ihre Frage mit Ja beantworten– und zwar sehr wirksam. Die Kombination aus individueller Beratung, Prozessbegleitungen, Netzwerkarbeit und Öffentlichkeitsarbeit ist eine besondere Stärke. Konkrete Projekterfolge, neue Kooperationen und die Ansprache neuer Zielgruppen belegen die Effektivität.
Herausforderungen bestehen – wie bei vielen individuellen Ansätzen und beschränkten Mitteln - in der flächendeckenden Bekanntheit und im Umgang mit unterschiedlichen Erwartungshaltungen der Zielgruppen. Hier könnte eine noch klarere Profilierung helfen.
Denkmalnetz Sachsen: Sie sprachen gerade das Thema Wirksamkeit an - welche konkreten Wirkungen konnten Sie feststellen?
Dr. Andrea Berg: Das Denkmalnetz Sachsen hat sichtbare Wirkung entfaltet: Denkmäler wurden gesichert oder neu belebt, Nutzungsperspektiven entwickelt und die Zusammenarbeit zwischen Akteur:innen verbessert. Formate wie „Labortage“ und thematische Fokusveranstaltungen haben die Sichtbarkeit erhöht.
Auch jüngere Zielgruppen konnten durch Social Media und Hochschulkooperationen erreicht werden. Gleichzeitig zeigt sich, dass einige Instrumente – etwa die digitale Plattform oder bestimmte Weiterbildungsangebote – noch stärker genutzt und skaliert werden könnten.
Denkmalnetz Sachsen: Wie nachhaltig sind die erzielten Effekte?
Dr. Andrea Berg: Besonders nachhaltig ist der Aufbau neuer Kommunikations- und Kooperations-strukturen. Vertrauen, fachliche Expertise und eine professionelle Außenwirkung bilden eine solide Basis.
Allerdings ist die langfristige finanzielle und institutionelle Absicherung entscheidend. Klare Zuständigkeiten, standardisierte Prozesse und eine stabile Finanzierung der hauptamtlichen Koordination sind zentrale Voraussetzungen für Kontinuität.
Denkmalnetz Sachsen: Was ist das Fazit der Evaluation?
Dr. Andrea Berg: Das Denkmalnetz Sachsen hat in kurzer Zeit beachtliche Strukturen aufgebaut und sich als relevanter, wirksamer Akteur in der Denkmalpflege etabliert. Basierend auf der Datenanalyse, empfehle ich daher:
- Die erfolgreiche Arbeit im ländlichen Raum fortzusetzen und Ehrenamtliche weiterhin aktiv einzubinden.
- Die Kernthemen zu schärfen, Angebote zu priorisieren und strategische Vernetzung zu fokussieren.
- Die Öffentlichkeitsarbeit für eine höher Reichweite weiter auszubauen.
- Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob eine stärkere Rolle in gesellschaftspolitischen Debatten – etwa an der Schnittstelle von Denkmalschutz, Regionalentwicklung und Bauwende – sinnvoll ist.
Wenn es gelingt, die internen Strukturen weiter zu stärken und die Finanzierung langfristig zu sichern, sehe ich sehr gute Chancen, dass das Denkmalnetz Sachsen ihre Rolle als moderierender, strukturstärkender und innovationsfördernder Akteur weiter ausbauen kann.
Vielen Dank!
*Dr. Andrea Berg ist Politikwissenschaftlerin und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Evaluation e.V. Sie arbeitet freiberuflich als Dozentin, Evaluatorin und systemische Organisationsentwicklerin für gemeinnützige Organisationen und Stiftungen in Deutschland und international.
https://andreaberg.info/