Bauteile wiederverwenden: Von der Idee zur Umsetzung


Erster Workshop der BauTeilHütte kommunal in Meißen

Wie lassen sich historische Bauteile sichern und wiederverwenden? Welche Voraussetzungen braucht es, um lokale Bauteilkreisläufe in der kommunalen Praxis zu etablieren? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden beim ersten Workshop des Projekts "BauTeilHütte kommunal: Innovative Prozesse für lokale Bauteilkreisläufe" am 25. September 2026 in der Jahnhalle in Meißen.

Der Workshop brachte Expert:innen und Praktiker:innen aus Verwaltung, Denkmalpflege, Handwerk, Zivilgesellschaft und weiteren Bereichen zusammen, um sich gemeinsam über aktuelle Hemmnisse und Lösungspotenziale bei der Wiederverwendung von Bauteilen, dem Rückbau, der Kreislaufwirtschaft und dem Bauen im Bestand auszutauschen.


Vorhandenes Wissen nutzen, Lücken erkennen, Hürden identifizieren

Im Mittelpunkt des Treffens stand die gemeinsame Auseinandersetzung mit der aktuellen Praxis. Der Austausch zeigte, dass bei der Erfassung, dem Rückbau, der Aufarbeitung und der Lagerung historischer Baumaterialien bereits ein breiter Erfahrungs- und Wissensschatz vorhanden ist. In den Bereichen Verwaltungsverfahren, Genehmigung, Planung und Wiedereinbau besteht hingegen noch Erfahrungsbedarf.

In der gemeinsamen Analyse waren sich die Teilnehmenden einig, dass die Bauteilwiederverwendung ein großes Potential birgt, wofür es in die Öffentlichkeit noch ein stärkeres Bewusstsein zu schaffen gilt. Zudem wurden verschiedene Herausforderungen identifiziert: eine bislang fehlende Koordination an den entstehenden Schnittstellen, Unsicherheiten bezüglich der notwendigen Prozesse, sowie technische, wirtschaftliche und rechtliche Fragestellungen.

Damit wurde in der Status Quo-Analyse deutlich, dass funktionierende Bauteilkreisläufe mehr erfordern als geeignete Materialien und praktische Erfahrung. Auch Verwaltungsabläufe, Genehmigungsprozesse und die Koordination zwischen den beteiligten Akteur:innen müssen zusammengedacht werden. Genau hier setzt das Projekt "BauTeilHütte kommunal" seinen Fokus.


Praxisimpulse für die Wiederverwendung

Einen fachlichen Impuls gab im Anschluss Kerstin Stölken vom Monumentendienst. Sie stellte die Erfahrungen des Info- und Wartungsdienstes für historische Gebäude mit der Sicherung, Lagerung und Wiederverwendung historischer Baustoffe vor. Dazu zählen beispielsweise Fachwerkhölzer, Ziegel, Natursteine, Dachziegel, Fenster und Türen, die für Reparaturen und Sanierungen historischer Gebäude zur Verfügung gestellt werden. Hierfür betreibt der Monumentendienst ein niederschwelliges eigenes Bauteillager.

Der Praxisbericht verdeutlichte die Bedeutung funktionierender Netzwerke und neutraler Beratungsinstanzen: Hinweise aus der Denkmalpflege, von Vereinen, Museen und aufmerksamen Bürger:innen können dabei helfen, gefährdete historische Baustoffe rechtzeitig zu identifizieren und zu sichern. Gleichzeitig stellen Fragen zu Lagerkapazitäten, Transport, Haftung und rechtlichen Rahmenbedingungen wichtige Aspekte der praktischen Umsetzung dar.


Vom Status quo zur Prozessanalyse

Die gemeinsame Bestandsaufnahme und der Praxisimpuls bildeten die Grundlage für die anschließende Szenario- und Prozessanalyse. Anhand eines Szenarios spielten die Teilnehmenden den Prozess von der Antragstellung über die kommunale Prüfung und Erfassung der Bauteile bis hin zu Ausbau, Dokumentation, Lagerung und Vermittlung durch. Im Fokus standen besonders die Themen "Antrag, Abriss und Bergung", "Rückbau & Bauteileinlagerung" und "Wiederverwendung".

Dabei wurden Hemmnisse identifiziert, Lösungsansätze diskutiert und aus unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven zentrale Handlungsfelder für die weitere Projektarbeit abgeleitet. So wurde unter anderem die stärkere Integration der Thematik in Aus- und Weiterbildungen besprochen, um der fehlenden Expertise und Spezialisierung zur Wiederverwendung bei Rückbauunternehmen lösungsorientiert zu begegnen.

Gemeinsam Perspektiven entwickeln

Die Ergebnisse des ersten Workshops "Bauteile wiederverwenden: Von der Idee zur Umsetzung" bilden die Grundlage für die nächsten gemeinsamen Arbeitsschritte: In den folgenden Workshops werden die Themen vertieft und Lösungsansätze weiterentwickelt. Auch die Vertiefung der erarbeiteten Prozesse in der Praxis am Beispiel eines konkreten Objekt ist geplant und wird nach aktueller Planung Fokus im zweiten Workshop.

Ziel des Projekts "BauTeilHütte kommunal" ist es, aus dem gesammelten Wissen einen Prozessratgeber für lokale Bauteilkreisläufe zu entwickeln. Dieser soll Kommunen und weitere Akteur:innen dabei unterstützen die Bauteilwiederverwendung in bestehende Abläufe stärker zu integrieren.

Vielen herzlichen Dank an alle Teilnehmer:innen für ihre Zeit, das Teilen ihrer Erfahrungen, die Offenheit zum Austausch und zur gemeinsamen lösungsorientierten Auseinandersetzung mit den bestehenden Herausforderungen!

Wir bedanken uns außerdem bei der Jahnhalle Meißen für die Bereitstellung der Räumlichkeiten sowie bei Kerstin Stölken für ihren fachlichen Impuls und die Einblicke in die praktische Arbeit des Monumentendiensts.


Ausblick

Der zweite Workshop im Projekt "BauTeilHütte kommunal" ist in Planung für November 2026. Hier soll es stärker in die Praxis und an das Objekt gehen. Gemeinsam mit Handwerker:innen wollen wir uns die Frage stellen, wie eine Prüfung der Prozesse und Gegebenheiten in einem Wiederverwendungs-Audit vor Rückbau und Abbruch aussehen muss und erstellt werden kann. Weitere Informationen dazu folgen in Kürze.
--> Sie wären gern dabei oder haben Interesse am Projekt? Schreiben Sie uns!

Treffen Sie uns zudem vom 05. bis 07. November auf der denkmal 2026 in Leipzig: Freuen Sie sich auf Inputs zu unserer digitalen Bauteilbörse und zur BauTeilHütte kommunal während unserer "Wiederverwendungsmittage" an allen drei Messetagen. Treffen Sie uns in Halle 2, Stand G38! Wir freuen uns auf Sie.
--> Detaillierte Programminformationen lesen Sie hier: Denkmalnetz Sachsen zur denkmal 2026

Seien Sie dabei zur 4. Expert:innenrunde Digital 2026!
Am 26. November widmen wir uns der Wiederverwendung historischer Bauteile und geben einen Einblick in unsere digitale Bauteilbörse.


Das Projekt BauTeilHütte kommunal wird von der Leipziger Denkmalstiftung in Kooperation mit dem Denkmalnetz Sachsen und dem Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDwt) der Universität Bamberg umgesetzt. Der Praxissprint läuft vom 1. Mai 2026 bis zum 30. April 2027.

Gefördert durch die Innovations- und Forschungsinitiative DATIpilot des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Innovationscommunity "Innovation aus Tradition – Transferstrukturen für nachhaltiges und klimagerechtes Bauen im Bestand und in der Denkmalpflege (InTraBau)".


WEITERLESEN


Fotos: DNS, Katharina Jutz